Selbstportrait II

 

 

Ich will eine verstehen, die nicht einfach zu verstehen ist.

Viel gibt es an ihr nicht zu verstehen; Sie ist doch so einfach und

simpel gestrickt!

Verstehst du mich? Fragt sie. Oder: Weißt du, wie ich es mein’?

Liebst du mich noch? Auch das noch! Plusminus das sind die Fragen,

die sie beschäftigten, plagen, hinweg über Dekaden.

 

Neulich habe ich sie einmal (wieder) nicht verstanden.

Was du meinst, das verstehst du und wovon du sprichst, für dich ist

das klar. Sagte ich. Für andere jedoch nicht. Ich, zum Beispiel, habe oft Mühe

dich zu verstehen. Verstehst du das?

Ich bin mir übrigens fast sicher, dass ich sie die direkt anschaute,

während ich Ihr dies sagte. Aber sie schaute, glaub ich, die meiste Zeit weg.

 

Nein. Das verstehe ich nicht. Sagte sie, die ich verstehen will. Mich versteht

man doch! Wer mich verstehen will, der braucht nämlich absolut nichts

zu verstehen! Dass gerade du mich so missverstehen musst …

Ach, du verstehst mich einfach nicht! Du liebst mich nicht!

An dieser Stelle schaute sie mich kurz an. Jedoch bin ich mir

darüber nicht ganz sicher. Denn ich glaube, ich schlug die Augen

nieder.

Doch, das tue ich. Ich liebe dich. Aber dass du daran zweifelst,

kaum, dass ich dich einmal nicht verstehe, dies kann ich einfach nicht

verstehen. Es ist mühsam. Wie lange soll das noch so weitergehen?

 

Ach so! Ich verstehe…!

Mächtige Dämme brachen jetzt über ihr

zusammen. (was ich auch nicht verstehe.) Du willst mich verlassen!

So steht es! Rief sie. Und ihr Herz, das sich von seinem Fundament gelöst

hatte, klopfte ihr mit kurzen, harten Schnäbeln gegen ihre Ohren, die

gleichzeitig blubberten, vom Druck des Ersaufens: tocktock. Tocktock!

Ja, so war das für sie. Gleich ersaufen und sterben.

 

Sag, liebst du mich noch?

Ja. Ich Und habe es dir schon oft gesagt. Sagte ich.

 

Und dann schwiegen wir eine ganze Weile. Ehrlich gesagt, ich

glaube, jeder von uns starrte einfach so vor sich hin respektive in

die Umgebung, denn die gab es ausser uns ja auch noch.

 

Da kam von ihr ein kleines, gerupftes: Küken-Ok!

Ok. Begann sie. Und dabei schaute sie mich mutig direkt an.

Ich meine, weißt du, nur weil du mich die ganze Zeit nicht ansiehst,

während du mit mir sprichst, so, als wärst du innerlich ganz kalt! Als

wolltest mich gar nicht verstehen, in diesem Augenblick! Man könnte

sogar meinen, du hasst mich, werweiss! Und eins musst du verstehen:

nämlich, dass ich eins wirklich verstehe: Liebt mich jemand, dann fühl’,

ich das! Gefalle ich einem nicht, so kann ich das auf einen Schlag sehen!

Da gibt es nichts zu verstehen! Jedes Baby fühlt das, jeder Blinde kann das sehen …

verstehst du? Ich meine, du hast mich doch verstanden und

weißt du, wie ich es meine?

 

Und so geht es weiter. Fragen: die an einem nagen, über endlose

Dekaden bedingungslos plagen. So simpel und einfach gestrickt:

 

Babies bleiben! Und blind!

 

Um zu verstehen: Was? Nichts.

17.8.18)

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