3004_Diary_im Körper drin

Ich bin also in meinem Körper eingeschlossen. Aber als Körper zugleich aus mir ausgeschlossen. Das ist das Besondere.
Dasselbe lässt sich ja auch auf mein Verhältnis mit der Aussenwelt übertragen: Ich bin als Mensch in dieser Aussenwelt eingeschlossen. Aber gleichzeitig als Mensch aus dieser ausgeschlossen.
Ich bin aus der Aussenwelt ausgeschlossen, weil mein Körper sich nicht ausschliessen liess aus mir. Er grösser und grösser wurde.
Ich sehe mich als Ganzes, als einen Körper. Aber auch als etwas Durchtrenntes. Etwas schaut auf meinen Körper, schaut auf mein Ich mit diesem gewaltigen Blick einer Spaltung.
Das ist aber nicht meine Psychose. Denn ich habe keine Prädestination zu Psychosen oder Dissoziationen (hihi).
Sehr klar beobachte ich, wie meine Organsysteme kränker und kränker werden. Wie der Körper, der wuchs und gross wurde, sich auflöst in diesen seltsam ent-ichten Wahrnehmungsfetzchen;
Schmerz; Schwäche, Taubheit, Parästhesie, Doppeltsehen usw. 100, wenn nicht 1000 von Arten des pathologischen Sich-Nicht-Wohlfühlens, jeden Tag anders nuanciert usw., jeden Tag Liegen, reglos und Hinfühlen….
All das, so stell ich mir vor wird irgendwann in einem Tod gipfeln, den ich als etwas feststelle, das komplett ausser mir geschieht. Oder mit anderen Worten: die Psychose, die sich über meinen Körper gelegt hat, durch 25 Jahre-(höllische)Symptom-Wahrnehmung, wird mit dem Tod resp kurz vorher ihren akuten Gipfel erreichen.
Noch einmal, nein: es hat sich keine Psychose auf mich gelegt. Aber man muss sich vorstellen, dass ich nie ganz Zugang habe auf meinen Körper!!!! Der Körper ist und bleibt quasi ein zweites, weiteres Ich und also ein zweiter Ich-Körper, den ich seit Jahren irgendwie zu „verwalten“ habe nebst dem andern!!!
Ich; MJS habe zwei Kinder, nicht nur eines: Ich (das hier spricht) und meinen kranken, dauerschreienden Körper!!!
Dieses Eigenspiel aus dem Innern des Körpers beständig von Aussen wahrnehmen zu müssen; aus dieser Konstellation erschliesst sich mir der Vergleich mit einer gigantischen Psychose;
Etwas Unsichtbares behindert mich massivst in den existenziellsten, täglichen Handlungen, beschneidet mich der Zellkraft. Ich bin behindert. Und bleibt doch- da bin ich fast sicher- bis zu meinem Tod unsichtbar, diffus und somit grobkursorisch inexistent. (Das hat man einzuberechnen in der Gesamtwahrnehmung von Innen und Aussen und dem noch weiteren Aussen.)
Der Körper hat sich mir ein Leben lang entzogen, mir und natürlich denen, die sich Zugang erhofften zu mir. Aber dieser Entzug vollzog sich in mir. Denn, in Gottes Namen kann ich nicht behaupten: mein Körper ist ausserhalb von mir!
Jetzt gibt es überhaupt nur noch, wenn überhaupt, einen Weg zu mir, für andere, über diesen tollwütigen Berg von Körper. Ich bin gezwungenermassen irgendwie Part von diktatorischen Verhältnissen geworden.
Dabei werde immer noch mehr und mehr Körper, je weniger ich ihm angehöre.
(26.1.2021)

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