Retro_Diary_2016

11.4.2016
Mit Vierzig ging ihr durch den Kopf, dass sie zwischen Zwanzig und Dreissig ausschliesslich für die Hingabe gelebt hatte. Diese Hingabe hatte irgendeinem Typen, einem Arsch gegolten, den sie in ihrer Phantasie zum Stern geformt hatte. Schnell brach sie dann zusammen, bevor es zu einer eigentlichen Berührung kam. Manchmal liebte sie vielleicht sogar den Mann, dann ging das Gefühl der Hingabe so weit, dass sie sich dadurch erniedrigt und provoziert fühlte.  Sie war ja immer krank geworden, hinfällig vor Hingabe, wenn sie einmal richtig liebte, dann! Und hatte das eine oder andere dafür getan, den Geliebten dafür zu strafen, dass diese Hingabe, die ihm galt, sie fast auslöschte. Einfacher war es da gewesen mit jenen, für die sie kein „reines Herz“ hatte, die nicht die Kraft in sie setzten, an der sie dann brach. Die Lust war auch da, aber sie schmerzte nicht, war eher ein Genuss, der wieder durchbrochen wurde durch die Möglichkeit eines Alltags. Jetzt, mit Vierzig, war beides längst weg, der Körper hatte vergessen. Manchmal brachte ein Nachttraum die Hingabe zurück, aus der Zeit gefallen, halluzinatorisch und verwirrend. Sie erwachte dann und wusste, real konnte das nicht mehr geschehen, etwas lag dazwischen. Nur im unbewussten Zustand des Schlafes konnte sie noch davon heimgesucht werden. Und beim Erwachen betroffen weinen.

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