liebeskummerkasten

11.2017 – 12.2020
 
Und jetzt kann mein Körper spüren, wie die Zeit still steht. Oder umgekehrt: es nur noch die Zeit gibt, spürbar, eine schwere moorige Masse, Lehm, vielleicht, der mir bis zum Hals reicht, während ich einen Schritt vor den andern setze, wie ein tickendes Uhrwerk, hoffentlich, und hinaus in eine Ebene Nirgendwo, in der da und dort Kästen stehen; alle Drähte herausgerissen. Diese letzten Kilometer,  seit mehreren Jahren auf mich hinzugekommen, muss sie alleine gehen. Alles brennt, steht in Flammen, nichts, kein einziges Feuer wird gelöscht sein, am Tag, an dem ich die Augen schliesse. Alles brennt, steht in Flammen, meine Haut; ein einziges Feuer, schemenhaftes Draussen; ein Netz aufeinander gestimmter Funktionen, technische Abläufe. Eingänge, Eisentore und Pincodes. Umständlich sich aufsetzen in einem Bett, Geschenk zum 35igsten, das seit sechs Wochen nicht mehr gewechselt wurde. Auch ein verschmutzter Molto tut es, wenn sich die Nacht endlos zieht. Die Nacht. Immer die Nacht. Wieder und wieder. Drei Uhr Morgens das regelmässige vertrauliche Rattern eines Zuges. Dann ein Pfeifen. Der erste Vogel morgens um halb fünf. Blicken auf Berge von Medikamenten unter dem Porno-Lampen-Pilz, und sich fragen: was ist passiert. Die Zeit: plötzlich verdichtete sie sich, plötzlich fing sie an zu laufen, Ereignisse traten ein, sie blitzen mir durch den Kopf; ich bin noch nicht da, sondern noch dort. Aufgehört zu verabeiten, metabolisch und …… emotional …..Alles brennt, steht in Flammen, meine Haut, meine Haarwurzeln, ich geh und will tauchen wie damals mit Gabi, zwischen den warmen und kalten Strudeln des Thunersees, zwischen milchigem Gletscherstrom und Mückenwasser, Eau de Cologne, Mädchen, jetzt auch schon seit 3 Jahren von dem Felsen gefallen—die Kräftigen sind gestorben. Die, die mich mitgerissen haben im Herzen. Und dann gab es Krach. Und die Beziehungen zerbrachen. Und die einen starben. Es ist so spät, nachdem es lange so früh war, zu früh. Ich erinnere mich unserer Tänze, Gabi, diese überwältigende Freude, schön zu sein, sich energetisiert zu fühlen, zu tanzen. Überschnappen taten wir. Du und ich. Was ist mein Leben noch? Schau runter vom Himmel und lach schnippisch über deine Penelope: aus ihr wurde eine Schleimspurschnecke. Die langsamste von Welt. Und doch nicht von dieser Welt. Du könntest mir helfen! Du! Vielleicht würdest du mich aus auslachen! Ja, ich liesse mir das von dir gefallen!
Tags: No tags

3 Responses

Schreibe einen Kommentar zu Alexander Antworten abbrechen

Your email address will not be published. Required fields are marked *