Heimwehinsel

Heimwehinsel

Ich bin die Heimwehinsel.

Jahreinjahraus allein umrauscht von Stille besuchen mich manchmal Verirrte.

Sie durchstreifen mich mit ausdruckslosen Gesichtern, sie sehen mich vagedurch einen abgeschirmten Film. Andere gepresste Bilder ziehen hinter ihren Stirnen.

Abends, wenn von drüben das Festland blinkt, wie ein kleiner wankender Punkt sitzen sie auf meinen höchsten Klippen. Und weinen.

Ich weiss nicht, was ich an mir habe, dass ich sie zum Weinen bringe. Getriebene und Kosmopoliten, Ferienjetter und sogar Stützpunkt-Krieger, sie alle.

Aber ich will nicht, dass sie ewig bleiben.

Also fahre ich einen Sturm hoch. Mit Regengüssen, die so sumpfig sind, dass meine Erde aufbricht, auf sie nieder peitscht beim Erwachen. Vertreiben!

Dann ist alles wieder ruhig. Ich bin allein und still. So gross ist die Stille, ich höre sogar die Todesinsel —

Und am Horizont das kleine Mutterschiffchen immer kleiner—-

Plötzlich steht er an meiner Bettinsel: „Warum weinst du? Wo kann ich dich hinbringen?“

 „Lass Gurgeln das Heimweh von Menschengesteinen in der Brandung.“

(13.1.2020)

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