Mitte Januar, am Tagesende

Vorsichtig öffnet sich meine Balkontür.

Grollen oder Donnern: Eine gewaltige Verkehrsmasse in der Ferne,

wendet sich ab.

Nur die von rauchigen Dieseln getränkte Luft.

Blickdicht hängt die Nacht.

 

Ich hoffe: sie haben diesen Tag nicht in den Sand gesetzt,

mit Kopf nach unten.

Ich spüre nämlich: sie entziehen sich, weiter und weiter.

Mit jedem Ankommen müssen sie brechen.

Notgedrungen.

 

Oke. Ich bin heute etwas pathetisch:

Aber die Tage, die ihnen in den Händen zerrinnen;

förmlich; ich möchte nur einen davon aufheben.

Und damit wirken.

 

Aber es ist noch nicht ausgestanden.

 

Ich ahne: hinter meinem isolierten Glas hinter den Doppelscheiben,

bewegt sich was. Unermüdlich vollzieht es sich.

In Prozessoren, Walzen, in klein verschraubtesten

Elementen: Zeichen des Aufbruchs, Billionenmilliarden.

 

Billionenmilliarden. (Was weisst schon du von Zahlen!)

Aber gerade denke ich nicht an die Erfassten.

Sondern an die andern: Gedanken! Die frei schweben,

verzweifeln und zaudern, im Kreis herum hüpfen,

unbeobachtet, wir uns machen, vielleicht

kann einer damit wirken Blickdicht der Nacht.

Unverhofft.

 

Den Schein, den ich auf die totengleiche Starre lege,

ist mein eigener. Er kommt von der Abwesenheit der Mimik.

In Zeiten grossen Frosts.

 

Man kann ihn ausstehen, gefühlt, in einem wärmenden Gesicht.

(21.1.2021)

 

 

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