Zum Verschwinden, kleiner Nachtrag

ich möchte klarstellen, dass ich Bücher lese, auch solche, die eine andere Bildung, Schulung und einen anderen IQ erfordern, weil es verdammt langweilig ist, ohne Arbeit und ohne Menschen zu leben. Ich hatte u habe vor, diese Umstände nicht noch einmal anzusprechen, weil ich diese verwandeln will, wenigstens ein bisschen. Ich möchte aber nicht, dass es so aussieht, als ob ich mit Zitaten aus karätigen geisteswissenschaftlichen Büchern etwas aufbessern od bluffen möchte. Ich finde, mein Schreiben ist bereits ein Bluff, eine Übertretung, wie ich das im vorherigen Teil erklärt habe. Ich habe es nur angesprochen, aber ich komme nochmals darauf zurück: ich bin dumm, aber ich masse mir an, ein Buch zu schreiben, dass besser abschneidet, als der Rahmen, in dem ich mit meiner Dummheit reden dürfte. Ich habe gesagt, ich weiss nicht, wie der Randständige über sein Randständigsein, sein Handikap schreibt, wenn er doch nur sich selbst schreiben kann. Ein Anderer, ja, einer, der Privilegiert ist, der Fachtitel besitzt, der könnte über den Randständigen schreiben. Der Randständige, Kranke, Gestörte usw. darf allenfalls in einer bestimmten Art über sich selbst schreiben; zwar muss er sich mit seiner von Aussen bekommenen Zuschreibung identifizieren (zb Queer, Arbeiter, Behinderung) oder/und sich als Opfer (Missbrauch) verhalten und also sein Narrativ darauf bauen. Ich meine, dass ich das nicht mache, weil ich es nicht kann, weil die Gründe meines Schreibens- auch wenn ich fast alles löschen musste- keinen anderen Zweck verfolgen, als das Reden mit mir selbst, das Zusammensein mit mir, die Intensität, die ich dabei erlebe, das-Eben-in-mir-drin-und-ausser-mir-Sein, und weil ich all das ja- in Gottesnamen- nicht mit Menschen erleben konnte. Bücher lesen hat für mich also weniger mit Wissen zu tun, als mit dem Wunsch, mich zu verbinden. Aus Sätzen und Gedanken Erfahrungen und Ideen zu extrahieren, einfach nur, um in einer Art Austausch zu sein mit Menschenhaftem. Tierbücher lese ich fast nie, Astrologiebücher auch nicht, mich interessiert, was ich auf mich beziehen kann, meist in einer sinnlichen Art. Früher habe ich viele Romane gelesen, am liebsten solche, wo der Autor mit drin war, wo diese Verbindung zwischen Leben&Schreiben erhalten ist, sich das eine vom anderen ableitet. Und das tat ich, weil ich nicht den Eindruck hatte, mit Zwanzig, dass die Menschen in meiner Umgebung mir viel Essentielles von sich erzählt hätten. Ein paar wenige, ja. Aber generell musste ich auch die Menschen in den Büchern suchen, weil in Real der Umgang doch meistens im Austausch von Informationen, von Zweckmässigkeiten bestand- Profunderes fand ich zweimal in der Psychiatrie, namentlich auch in der Geschlossenen- in Büchern, also, und an abtrünnigen Orten- und dann auch lange nirgendwo mehr…. ja, so ist das. Das wollte ich noch sagen. Dass mein Leben sich in einer intimen, flirrenden Sphäre und zugleich Unterwasser abspielte, und dass ich mich zu sehr gelangweilt hätte an dieser furchtbaren Oberfläche- es sei denn, ich hätte einen Körper gehabt, um eine sinnvolle, spannende Arbeit zu verrichten. Diese Intimität, behaupte ich mal verschwand in dem Mass, wie die Selbstdarstellung Teil der Vermarktung wurde. Ich meine, dass das Private, das Geheimnis, das abgründig Menschliche vor allem spannend ist. In meiner Vorstellung war das Bekenntnis eine Bewegung nach vorne, in die stetige ständige Wandlung zusammen mit Andern (hätten sie auch jemals einmal etwas offenbart.) Als Sylvia Plath ihre Tagebücher schrieb, war dieses Bekenntnis natürlich etwas Einmaliges. Und sie schrieb ihre Tagebücher nicht, um zu gefallen. Zurück zu den Büchern: Ich hatte den Eindruck, für mein “Verschwinden” könnte ich nachträglich noch zwei, drei Bücher lesen, quer, mit passender Musik, weil ich auf die spontane Idee kam, vielleicht finde ich noch was darüber bei Andern- das Verschwinden, das Vergessen, das Sichentziehen des Körpers- ich ging beim Suchen von Lektüre ganz zufällig vor – nichts, wirklich nichts hat System bei mir- eben auch gerade, weil ich schneller vergesse, als dass ich denke, mein Denken nicht nur sekündlich unterbrochen wird, von Vergessenssein, nein, auch, weil ich jeden Moment wieder eine andere Spur verfolge, eine Andere bin, und wiederum auch tagelang ganz aufhöre mit dem Denken, weil es ja sinnlos ist, allein die inverse Verbindung zu suchen, und ohne in eine Handlung gehen zu können. (dazu habe ich einen andern Diary-Text vom Januar, gut. Ich sagte, jetzt keine Diaries.) Ich habe keinesfalls vor, mein “Verschwinden” mit vielen Zitaten aufzupeppen. Ich schreibe mein Buch fertig, obschon es noch nicht existiert (und somit ich nicht nur keinen Beweis habe für das, was im Körper geschah noch dafür, dass ich in diesen etwa vierzehn Jahren jemals an meinem Roman schrieb–zum jetztigen Zeitpunkt gibt es also keinen auffindbaren Körper, kein auffindbares Ich, keine auffindbare Krankheit, keine auffindbaren Sätze, es ist seltsam, so inoffiziell verschwunden zu sein!) Und ich nehme mir heraus, zu schreiben, als wäre ich nicht vollkommen kaputt, a Piece of Shit, ein Häuflein Selbstzweifel usw., weil ich vielleicht während dem Schreiben nicht die bin, die man aus mir machen wollte, aber vielleicht auch nicht die, die ich jetzt bin. Es ist egal. Ich versuche mich vielleicht in einer Täterschaft-

so, heute mal wieder nur darüber geredet.

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