Warum Retro Diarys?

Tagebücher sind Schmuddelzeugs. Allenfalls sind sie Anekdotenreich, wie jene von Bridget Jones. Aber warum publiziere ich auf WP Auszüge aus meinen Nabelschauen? Es ist eine schmale Gratwanderung, finde ich zwischen Kunst und blosser Selbstdarstellung. Da wäre da noch der kreative Akt , der therapeutische Aufklärungsarbeit schafft. Ich habe meinen Roman nun fertig gestellt, weswegen ich nun finde, dass ich den Weg aufzeigen kann, der zum „Werk“ geführt hat. Die Hälfte meiner blauen Hefte habe ich weggeworfen, aber einige Tagebücher bleiben mir und ich lese darin, teilweise mich, teilweise eine, die ich nicht mehr kenne, teilweise eine, die ich an Jahren u Reife überlebt habe. Und eine, die noch glücklich war und Hoffnung hatte auf das Leben. Ich streiche die Essenzen raus, die mir wichtig erscheinen für meine Biografie respektive meinen „Glaubenssatz“. Eine andere Möglichkeit wäre die, alle Spuren, die zum „Werk“ führten, zu vernichten, es wäre vielleicht eindrücklicher nur ein literarisches Produkt zu haben ohne den ganzen Ballast einer dahinein verstrickten Autorin. Als junge Frau schrieb ich meine Tagebücher ohne zu denken, es waren nur Ergüsse. In diesen Ergüssen sehe ich nun die immerselben wenigen Themen sich im Kreis drehen, aber ihre Quantität ist vielleicht das teilweise künstlerische dran, die Obsession, mit dem ein Thema od Holz behandelt wird über Jahre, und zu beobachten, wie es sich verändert oder aber den Blickwinkel des Behauers sich verändert. Dies kann ein therapeutischer Prozess sein, aber es kann auch ein künstlerischer Prozess sein, dann, wenn er schlussendlich in eine Arbeit mündet, die frei für sich steht. Ich weiss nicht, ob mein „Glaubenssatz“ das Resultat eines solchen Prozesses ist. Oder ob er immer noch mit drin hängt.Wenn er immer noch mit drun hängt, dann kann ich meinen Roman schwer als Kunst bezeichnen und halte ihn nicht für publizierbar. Wenn er frei stehen kann, dann halte ich ihn für Kunst und also publizierbar. Ich will damit nicht sagen, dass ich Schmuddeltagebücher nicht für Kunst halte. Ich glaube, ich besitze eine Perspektive, mit der ich Arbeiten für Kunst halte, die keine sind nach technisch bekannten Maßstäben. Es geht um die Ästhetik, die aus einer Arbeit entstehen kann, nicht muss, um eine Erfahrung, die in Ton oder Inhalt eine Ästhetik hervorbringt, die sich unterscheidet, es gibt mehrere Wege, die nach Rom führen, schliesslich gibt es kein einziges Gremium, dass behaupten kann, wann Kunst Kunst ist und wann nur Lebenserfahrung od bloss technisches Handwerk. Sind die Diarys der Bridget Jones Kunst? Gute oder schlechte und warum?  Ich halte die Essenz, die hersusgefilterte, meiner Diarys für Kunst, also im Prinzip ihre lose Bearbeitung, aber ich finde nicht, dass sie für sich alleine stehen. Daher halte ich sie wiederum nur für Arbeit an mir selbst und also einem Wegbereiter meines „,Glaubenssatzes“. Aber sicher bin ich mir überhaupt nicht, bei dem was ich hier sage.  Darum höre ich jetzt mit leiern auf. Das heisst, da fällt mir noch ein: muss ich das alles überhaupt wissen? Sicher nicht, um ein berührendes Buch zu schreiben. Im Prinzip kann ich etwas erschaffen, mit geschlossenen Augen, verschlossenem Herzen, ohne eine Idee von Kunst zu haben, und es könnte doch Kunst daraus werden. Umgekehrt, ist es kniffliger: angenommen ich habe alle Anlagen, zu berühren, eine Idee von Kunst, verstehe vielleicht mein technisches Handwerk, kann darüber referieren. Aber es ist doch nicht Kunst. Kann etwas Kunst sein, weil sein Erschaffer originell lebt, fühlt, denkt? Oder ist Martin Suter ein Künstler? Ist MJS eine gute Künstlerin, weil sie ev.schlechte Kunst macht? Schlimm wäre tatsächlich, wenn es so was Ähnliches wie mein Glaubenssatz schon gäbe….aber he…..es gibt heute ja eh schon alles. Und wenn es was gibt, das es noch nicht gibt, weil es anders ist, dann ist erstens die Chance, dass Leute, die Kunst für den Markt prüfen, gross, dass sie nicht verstehen, ob ein Kunstwerk anders ist oder nicht, weil sie einen Massstab anwenden für sich unterscheidende Gleichheit Für Andersheit gibt es keinen Massstab und daher ist Andersheit nicht vermarktbar. Oke, Van Goghs Malerei war schon anders, nicht? Aber he, auch wenn das Andere nicht erkannt werden kann, heisst das immer noch nicht, dass es gut ist. Vielleicht ist das sich unterscheidbare Gleiche besser usw, keine Ahnung, es kommt wohl drauf an von Fall zu Fall. In der Tendenz lese ich gerne schöne gleiche Bücher, die mich leichtfüssig unterhalten, aber ich bin nicht sicher, ob ich jedes Buch per se für ein Kunstwerk halten soll. Tolle Unterhaltung kann sehr lebenswichtig sein, gerade für Kranke Bettlägerige, wie mich, die in der Regression ihr einziges Versteck finden. Also da kommt ein weiterer Aspekt hinzu: ist der, der eine goldene Kuh ausstellt nicht der schlechtere Künstler, als der, der einen Garten baut, wo Menschen sitzen können? Also die Absicht, warum etwas getan wird, kann wichtig sein und einen guten Entertainer zu einem besseren Künstler machen als einen Zwölftonmusiker, den keiner hören mag. Das heisst nein, ich glaube jetzt verwechsle ich etwas. Ein guter Künstler kann ein schlechter Mensch sein. Ein schlechter Entertainer aber wichtig für die Menschen, in deren Augen er ein Star ist. Haha.Leierleier..

Tags: No tags

One Response

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *