Puppe im Traum

Ich bin in der Bahn, ich weiss nicht, wohin.

Neben mir meine versteifte, kalte Puppe. Im Abteil mir gegenüber eine strenge Frau.

Die Frau schaut zu mir herüber. Sie sieht mich Vertraulichkeiten austauschen mit meiner Puppe.

Ich reise mit meiner Puppe! Gebe ich der Frau mit einem verlegenen Blick zu verstehen.

 

Aber dann passiert etwas: ich glaube, meine Puppe hat sich bewegt!

In meinem Schoss liegt eine Wiegentasche. Darin fühle ich Wärme! Ganz sicher!

Aus dem harten Plastikfäustchen spickt ein Finger. Langt sich ins rosige, feuchte Gesicht.

Betippt die Lippen. Kann das sein? Dass sich meine Puppe gerade verwandelt?!

Nur noch zur Hälfte Puppe, zur andern lebendige Epidermis, Gurgeln von kleinen

Gedärmen … ich kann es fühlen! zuinnerst!

 

Um sicher zu gehen, dass ich mich nicht täusche, halte ich ganz still. Doch die Frau

hat mich schon ertappt, sie kann vielleicht sehen, dass ich um Fassung ringe.

Ich reise jetzt nicht mehr mit einer Puppe! Ich reise mit einem Kleinkind,

neugeboren!

 

Bündelchen Mensch, was kann ich dir tun?

 

Hinter dem Fenster, direkt unter der Scheibe, führen Gleisspuren ineinander.

Ich bin in der Bahn, wohin. Bin schon lange nicht mehr Bahn gefahren.

Erwachen, dann.

(7.9.2020)

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