Pensées-Blümchen

Ein Menschenleben ist nichts wert, ausser in den Augen eines Einzelnen. Die Art Schönheit zu betrachten ist individuell und unteilbar, ja, für keinen nachvollziehbar, als für den Einzelnen selbst.-

Wie allein bleibt der Einzelne doch, weil das, was er verliert, niemanden als ihn selbst betrifft.-

Wenn wir aber erkennen, dass wir nicht in den Augen der Welt sind, sondern nur in der subjektiven, zutiefst persönlichen Betrachtung eines Einzelnen leben; was können wir dann da draussen überhaupt erschaffen?-

Und wenn wir aber wissen,  dass wir allein, los gebunden, als Einzelne nichts haben, als unsere Subjektivität, wie kann es dann sein, dass man u.a. vor siebzig Jahren Menschen dem individuellen Blickwinkel enthob und mit ihnen oft sogar sogar noch die persönlichen Zeugen mitumbrachte?! Wer war das?- Wie viele Bilder der Grausamkeit! Und wieviel Bilder der Liebe!- (aber dieses Thema ist nichts für mich. Back to Suter.)-

Dieser Konflikt, nichts erreichen zu können in der Welt und gleichzeitig durch diese Welt „rehabilitiert“ werden zu müssen, hat bei mir schon früh dazu geführt, dass es mir unmöglich war, in dieser Welt überhaupt irgend einen vernünftigen Strich zu tun!-

Knapp 21jährig wuchtete ich in meine eigene Sterblichkeit hinein durch Krankheit, nachdem ich die Schulzeit quasi in vollkommener Passivität verbracht hatte; wie ein Tier, das lauert … und dann; als es zum Sprung ansetzte, war es bereits zu spät.-

Ich: das war ein grosses Kind. Unfähig zur Teilnahme und Verinnerlichung sozialer Codes, gelähmt und zurückgeblieben in einer Art kindlichem Traum. Darin musste alles, was ich dachte oder tat von der Mutter empfangen und gelobt, beglaubigt, abgesegnet werden.-

Dann hab ich mehrere Jahre damit verbracht, einen Mann zu dieser allumfassenden Mutter zu machen.-

Überall da, wo man mich nicht mehr aus einem radikal menschlichen und individuellen Blickwinkel beurteilt; und also subjektiv: war mir unwohl! Es wurde daher nichts aus mir! Weil ich dort nicht sein wollte, wo man glaubte, nach lausigen vorgefertigten Schablonen Werturteile abgeben zu müssen!-

Ich bin ein Verlierer, weil  ich dort nicht sein wollte, wo ich erst hingelangt wäre, wenn ich eine Unmenge an u.a. schulischer Ich-Abspaltungen durchgemacht hätte;-

ich wäre mutiert zu einem multiplen Ich- Bedarfsmittel, flexibel einsetzbar für die Wirtschaft , immer halbprivat …-

Ich wollte aber- Muttermann!-wenn schon; dann ganz genommen werden!- Alles sollte-wenn schon; dann-!!!: von mir in den Produktionsprozess einfliessen!-

Aber dann habe ich festgestellt, dass ich doch bewertet werden möchte! Aber von wem? Von welchem Gremium?- Dilemma, kleines Dilemmchen, das bald dahin starb unter den Sorgen, die mir meine physische Instandhaltung bereitete.-

Es gibt im Leben im Prinzip drei Phasen: die erste, in der mann geliebt werden will (Kindheit) und wenn man Glück hat geliebt wird, aber in den meisten Fällen doch merkt, dass dieser Liebe eine klare Grenze gesetzt wird. Die zweite: in der man damit beschäftigt ist, in der Welt etwas zu werden u.a., weil man verdorben worden ist von der Welt, a, und b: zu kompensieren versucht in der unpersönlichen Welt, dass man nicht mehr geliebt wird, nicht mehr persönlich, für das, was man einmal war, usw.! Und c, die letzte Phase: In der man in den Augen der Welt (zumeist) etwas geworden ist, aber dies erscheint einem nun bedeutungslos, weil man auf einmal merkt, dass man sterblich ist.-

Dann gibt es noch die ausserordentlichen Fälle, bei denen alles anders ist, (eben wie bei mir). Und die den Fake des Werdens in der Welt schon mit dem frühen Einbruch ihrer Sterblichkeit erkennen. –

All diese Fälle, die ich nun aufgezählt habe, müssen sich über kurz oder lang die Liebe selber schenken.-

Muss das Schlafmittel nehmen. Gebe grad ab.-

(7.3.19)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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