Mond, du hast mich getäuscht (oder ich blute nicht mehr)

Mond, du hast mich getäuscht.

Ich dachte, ich nehme dir zu. Dies sei Natur.

Doch du, du liessest mich nur im Kreis gehen,

wie ein Zirkuspferd aus Stoff, das Bäh macht,

wenn man ihm zweimal auf den Hohlkörper schlägt.

Ich dachte, ich gedulde mich, du wirst mich schon

beschenken, stattdessen liessest du mich leerlaufen

wie die Regentonne mit Leck.

Ich will nicht nennen, was ich verlor.

Ich rechnete, ich führte Buch, wie lang kann ich

es machen, faktisch leer, nur das Kreditorenkonto wurde belastet.

Hast dich Monat für Monat vollgesaugt

mit dieser tiefgelben Fülle, Flut gab sich dir hin,

und Ebbe sich dir entzog. Ich dachte, dies sein Natur!

Und ich kein Steckenpferd, ein Stiel, der tanzt im Kreis.

Wie oft rammte ich mit meinem Kopf die Tapete, schmiegte

meinen Bauch an die kalte Mauer im Schmerz.

Schwebend zwischen bewusstlos und Lust auf ein

Gegenpochen, männlich, Oxytocin statt Vorstufe Morphin.

Nachher war ich jedesmal fix und fertig, ein Häufchen

Elend, getäuscht von dir Mond, in

auswegslosen Zyklen.  Jedesmal wollte ich ausbüchsen,

jedesmal dir wieder zuwachsen. Spenden alles, was ich hab,

mein letztes Hemd, mich frei geben, Monat für Monat,

auf dem Höhepunkt, achtlos der Verluste.

Denn du hast nur genommen, dich nur bedient,

an meinem Mark dich vollgesaugt. So

schwand mein Beckenglanz, treibt reglos über

Wasser:  skeletaler, stämmig gewordener,

Inhalt.

Ebbe verwachsen mit der Flut? Du hast

sie mir wieder abgenommen, liessest mich gehen im Kreis.

An einem einzigen Tag, Tag 22, verfiel das Pferd ich in einen

richtigen Trab und galoppierte den Feldern zu.

Säte und erntete ich in einer Stunde die tote Sichelbeere.

Doch nun habe ich genug. Und verabschiede

mich von dir, zerschelle dein tickendes Uhrwerk,

diesen Falschfahrer.

Ich will nicht nennen, was ich verlor; zu oft

verwendet im Zusammenhang mit sinnlosem Gemetzel,

zu billig verwendet, dieses Wort. Von Totenköpfen.

Es wohnte richtig in mir.

Und ich dachte, du seist Natur und ich ein Puzzleteilchen

von dir. Aber im Verborgenen, hinter schwarzer Scheibe,

lässt man es auslaufen.

Zahle es dir heim, mit einer kläglichen Schleimspur.

(15.12.2020)

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *