Holprige Hymne

 

Ich bin in meinem Haus. Davor ist ein kleines Wiesenbord.

Und dahinter zieht die Autobahn vorüber. Direkt auf mein Dach,

das nicht ganz schliesst, fällt eine dumpfe, tönerne Musik.

Die Autobahn rauscht. Es hört sich an wie ein langgezogenes,

überfahrenes Nass! Wenn ich denke, wie viele Menschen in

diesem Moment ein Lenkrad umfassen!! (ohne in einen Baum

zu fahren) –

Sie fahren an meinem Haus vorüber, als wäre das Leben

forever! Ihr Blick geht stier geradeaus, von A nach B. Dabei werden

auch sie einmal diejenigen sein, die sich an Ort und Stelle

verwarten, während man ihnen um die Ohren saust.

Ein kleiner Vogel, eher ein Federchen, hüpft herbei. Sein  Schnabel

pickt sich von meinem Balkonsims ein angegessenes Stück Brot.

Jemand liess das Brot da liegen. Vielleicht ein Kind, ehe es weiterzog.

Ich denke beim Regen an meine erste Disco. Als wummrige Bässe

die Tiefgarage erdröhnten. Eine Leuchtkugel die Betonwände mit

Gold überzog. Travellin’: eine zart-dreiste Reise, mich mitnahm,

bevor sich der Aufbruch verschleppte.

Dumpf und tönern! Ahhh! So bin ich hier und bleibe ich hier.

Und durchs Dach regnet es hinein in meinen Körper,

der lose dillattiert. Ich fühle mich heute etwas betrottelt. (das Wetter!)

Ich denke an einen Anfang, als ich noch klar sah, der Himmel ein stilles

blaues Tuch. Ich war ein Vogel mit einem schwer durchtränkten Stück Brot

im Schnabel. Zehnmal schwerer (dieses Brot) als er.

(9.5.2019)

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