Hier verliert sich die Spur

Mittagskind streut Fragen aus.

Muss schnell sein, bis zum Morgen! Morgen löst die Spuren auf.

Für den hellichten Tag verloren, beherbergt  Mittagskind keine Träume.

Einmal direkt ins Licht geschaut, vor langer Zeit—

Greift nach dem Stück Wirklichkeit,

immer greifen nach dem Stück Wirklichkeit, seither, überwach.

Einmal fand Mittagskind kurz: Mitternachtskind, das Dunkel, dann.

 

Mitternachtskind streut zaghaft Brotkrumen aus.

Kennt die Position seines Verstecks. Sucht nicht gern.

Wenn doch: legt immer nur eine kurze Strecke zurück, tags.

Sucht nicht ausserhalb. Einmal zu tief ins Dunkel geschaut.

Wenn doch: droht ein Dämmer, der ewig dauert, unumkehrlich, dann.

 

Mitternachtskind stöbert Mittagskind beim Zählen auf.

Augen verbunden, lichterloh, steht sie auf leerem Platz.

Mittagskind stöbert Mitternachtskind in einer Baumhöhle auf.

Legt die Blätter frei und küsst ihn wach. Küsst ihn, küsst ihn durchs Blatt:

mit einem Überraschungsschrei.

 

Aber der Tag ist nicht für die Nacht gemacht!

Der Tag muss schlafen bis zur Nacht!

Und heimsuchen darf der Tag nicht die Nacht, wenn

diese den Blitz fürchtet. Ihren eigenen Schatten bekämpft.

 

Muss fliehen in schwummrige Träume,

ausbauen sein Versteck. Mitternachtskind ist

niewiederauffindbar.

 

Dies war also unser gemeinsames Treffen: Diese zitternde Lichtung

einer Randstunde dank, in der zwei Intuitive übereinander herfielen.

 

Mitternachtskind wiegt mich bis zum frühen Morgen.

Bis ich hinüberwachse in seinen Schlaf. Mitternachtskind legt seine Wange

an eine weisse Brust. Verbirgt einen leisen Seufzer

(der nun in mir geborgen),

steigt dann aus dem Bild, (von meinen Brüsten) erweckt.

 

Ausserhalb dieses Zeitfensters, unmittelbar oder später, dann:

spaltet Mitternachtskind ein Mittagsblitz.

 

Ausserhalb von Raum und Zeit fast: Mittagskind streut Fragen aus.

Warum liebst du mich nicht? nachdem du mich einmal geliebt?

Mitternachtskind sammelt Brotkrumen ein, bereut, dass er sie

jemals gestreut hat, stumm.

(Und hier verliert sich die Spur.)

 

Spielen andere nun dieses Spiel, für eine einzige Stunde?

Will verstecken spielen mit dir!

Suchen sich wieder und wieder!

Warum nicht wir?

 

Schlüpft Einer ins Versteck, das vom Andern noch warm ist.

Stellt der Andere sich als Schatten vor dran.

Auf Hundert zählen; wer es kann—-

 

Wer Tag und Nacht aushält, Dunkel und Hell.

 

(4.4.21)

 

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