Es ist dunkel

 

Früher spielten wir Verstecken in Sonnen durchfluteten Räumen.

Ihr ranntet los. Und ich, mit der Hand meine Augen halb abdeckend,

hinter euch her. Ich komme! Rief ich, und fand-!

Dich immer wieder, die Faust in der Hosentasche, hinter dem dicken

Baum versteckt! Wir waren frei.

Aber dann hörte das Spiel auf, denn wir waren ja gefunden.

Und aus den Sonnen durchfluteten Räumen habt ihr einen Raum

geschaffen, nach euren Spielregeln, in dem nicht mehr

getanzt wurde.

Ich gehe! Rief ich darum, und fand-! Weil ich nicht mehr mitspielen wollte

bei diesem Spiel die Freiheit, meine Freiheit nie wieder!

Aber vielleicht den Baum, hinter dem du dich versteckt hast,

und hinter dem ich dich gefunden hab. Darin baute ich mir eine

kleine Höhle!

Mir war warm in der Höhle! Fast so war warm wie in den

den Sonnendurchfluteten Räumen meiner Kindheit! Aber eines Tages

passierte etwas! Und ich stellte fest, dass das Licht von Draussen

nicht mehr bis in meine Höhle reicht.

Es war, als ob sich ein riesiger Schatten ausgerechnet vor meiner

Höhle aufgestellt hätte! Jeden Tag zweigte er etwas mehr von dem

Hellen Lichtstrahl ab, in dem kleine, Energie geballte

Sterne tanzten. * Da erstarrte mein Körper ganz allmählich immer

mehr. Und in meiner Höhle, mit deren Wänden ich schmerzhaft

verwachsen war, wurde es kalt, einsam und dunkel.

Kommt mich denn niemand suchen in meiner Höhle?

Fragte ich die Wände meiner Höhle, denn es war im Prinzip

kein Leben mehr in meiner Höhle möglich für einen gesunden

Organismus! Muss ich etwa unauffindbar für immer bleiben?

Und ich konnte meine eigene Hand vor Augen nicht sehen!

Ach, es ist so dunkel, so dunkel in meinen vier Wänden!

Aber früher, da war es hell! Da mussten wir uns die Augen abdecken,

damit wir uns nicht fanden beim Verstecken in den Sonnen durchfluteten

Räumen!

Du hast auf Hundert gezählt. Wir rannten los!

Wann kommst du? Rief ich! Wusste nicht, will ich gefunden

werden, hielt mich für unauffindbar!

Du hast mich sofort gefunden!

Hinter dem dicken Baum, in deinem Versteck!

(23.9.18)

*(Wer weiss, für so riesige fensterlose Plastikhallen,

in denen nicht getanzt wird, in denen nichts

gefunden werden kann, in denen es aber auch

keine Verstecke gibt,  und zu deren Beheizung

mehrere Sonnen schon verschleudert wurden,

muss auch das magerste Euter noch angezapft werden.)

 

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