Diary zum Schreiben 7.10.19

Inhalt vs. Struktur.

Nie endet dieses Problem. Habe nun zwischen fünf u zehn Jahren an der Struktur meiner drei Kapiteln/marionroad: das „Geschäft“, gearbeitet, doch es gelingt mir nicht, Inhalt und Struktur aufeinander abzugleichen, so, dass der Inhalt endlich aus der Struktur hervorgehen würde!!!!!! HERRGOTT MTR —FCKR !!! Nachdem ich am Anfang meines Schreibens weder auf Struktur noch Inhalt achtete und einfach Ecriture Automatique pflegte, wurde ich irgendwie durch Lesen hochstehender Autoren und gebildete Germanisten usw. auf den Punkt der Sprache sensibilisiert UND VERDORBEN!!!!… ich bereue dies, denn seither stecke ich in einem Dschungel fest, und das einzige, was ich in meinem Schreiben wirklich ausmachen kann, ist Ambivalenz. Natürlich muss ich nun mit dieser Ambivalenz arbeiten. Versuchen, zu verstehen, dass ich keinen Stil habe und mein Schreiben in polyphone Stimmen zerfällt, die sich untereinander nicht ähneln, sondern voneinander abgetrennt sind … ich muss mich fragen, wenn ich meine „Arbeitkapitel“ anschaue, ob mein Schreiben mich selbst abbildet ….ob ich, die Autorin, diejenige bin, die keine Identität hat, sondern nur in Rollen schlüpft, schreibend. In diesem Fall wäre mein Schreiben nur Imitation, und man könnte meinem Schreiben dieses Problem dann ablesen …

Das Problem von Inhalt und Struktur ist dies: ich glaubte zu lange, dass sich Struktur wirklich alleine durch die zwingende Notwendigkeit des Inhalts ergebe! Ich vernachlässigte die Technik sträflichst! Ich kapierte u kapiere bis heute nicht, dass Kunst in einer Form daherkommen muss, und dass es eine einheitliche Form sein muss …so kann z.B. ein literarischer Text mit minimalistischem mageren Inhalt eine Wirkung entfalten, die ich mit übersättigtem Inhalt nicht hinkriege, wenn dieser nicht Struktur-synchron verläuft ….

wie oft las ich Bücher … Romane, meine ich …. und wie fühlte ich Fehlendes aufgehoben in einer technisch brillianten Struktur, einer Story! Thomas Bernhards Flow macht mich ebenso zu einer Gefangenen dessen, was ich sagen will wie eine schlechte Übersetzung von Agathe Christie …

…nachdem ich also die Struktur meiner Kapitel vernachlässigte, arbeitete ich meinen Inhalt mehrere Jahre zu Strukturteppichen um (3 Kapitel a jeweils 12 Seiten), um nun, danach, zu begreifen, dass die Schönheit der Sätze mir keinen Spielraum lässt, für das, was ich alles sagen will!!! HERRGOTT … MTR ….FCKR!!!! Ich zerre die ganzen drei Teppiche auseinander und bastle sie zu einer Fusion neu zusammen …. in einer Form, die formloser …. hässlicher …. tönt …

….mehr, wie mein eigener Mund gewachsen ist …. zurück zu meinem eigenen Mund …. aber: es wird nicht besser! Jetzt beweine ich nämlich wieder die verlorene Form!

Ich möchte wieder intuitiv schreiben, zurück zur Zeit, da die Musen durch mich schrieben, aber dahin kann ich nicht mehr zurück! Und doch kann ich nicht aus meiner Flapsigkeit hinaus in eine Sprache wie all diese und jene Hochschulabsolventen und Sprachkünstler ….

Ich muss wieder mein Denken verstehen. Wenn sich mein Denken um die Satzzeichen dreht und nicht mehr anderes sieht als die Probleme und Fragen, wie ein Satz aufgebaut werden soll, damit er gut tönt, dann hat sich mein Denken verfahren ….

Aber aus dem Bauch heraus schreiben kann ich auch nicht mehr …. Tausende Seiten habe ich über die Jahre so verschrottet …. indem ich nur Blödsinn rausliess …

Ich breche die Struktur jetzt wieder auf, ich zerstöre die Aussagen meiner Texte, weil ich wieder die Freiheit suche in meinem Schreiben …. vielleicht habe ich nun mehr Inhalt, als vor acht Jahren …. aber nun geht der Klang wieder flöte …. diese Melodie … mein Ton … auf dem ich eventuell so stark rumbastelte, um zu überspielen, dass ich keinen Inhalt habe …. hatte ….

Story.

Es ist schon erstaunlich, wenn man 24 Jahre lang versucht, einen Roman von nicht einmal hundert Seiten zu schreiben! Es soll der eigene Roman werden … nur ein kleiner Roman … aber nun ist er ein Monstrum geworden ….

ich weiss vielleicht nun, wovon er handelt, aber was bringt mir das, wenn ich nun geistig und physisch in eine solche Konfusion hinabrassle ….dass ich gar nicht mehr erkennen kann, in der ganzen Ich-Entropie, was und wie ich jetzt eigentlich meine Kapitel füllen will ….

der Stoff: ich hab ihn! Endlich! Er ist mein Leben, mein Scheissleben! Das mit A: Absurdität und A: Angst begann (Kindheit) über M: Männer hinwegschludderte und bei K: wie Krankheit endete… vereinfacht gesagt …

Aber natürlich ist der Stoff etwas ganz Anderes! Er ist viel mehr! Aus diesem Grund benutze ich ja die Sprache! Um etwas Anderes! Viel mehr aus diesem armseligen Leben zu pressen …. in meinem sprachlichen Ausdruck …

oh saure Grapefruit.

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