Diary 15.3.20

Wenn du jung bist, dann musst du dir Freunde machen, später hast du keine mehr.

Später kriegst du ein Abo für lebenslängliche Positivität, kriegst es quasi im Tausch

für die glasigen Riesenrüben, die im Boden krumm, zu kleinen Würmchen wachsen,

wenn du als Pessimist eine Träne vergiesst, über der Erde, statt potenten Dünger zu streuen

aus deinen entpressten Adern.

Wenn du jung bist, dann kann man dir den Pessimisten vielleicht noch verzeihen, die Jungen

tolerieren noch einen Spassvogel ebenso wie einen Pessimisten, die Kinder sind noch näher an

den krummen feinschmeckenden Wurzelrüben dran.

Später nimmst du deine Lohnarbeit entgegen zusammen mit dem Optimismus-Vertrag.

Lebenslänglich wie die Ehe soll deine Positivität andauern, auf der Palette zur Wahl hast du neben

der Positivity ja nur noch die Negativität. Und die lässt die Rüben krumm wachsen und winzig. Das

ist moderner Aberglaube.

In der Ehe behandeln sich zwei Menschen auf Dauer nicht mit dem richtigen Respekt. Alles, was

kostbar ist, ist an Zeit begrenzt. Darum sucht der, der noch zwei Monate zu leben hat in dieser

Phase seines Lebens nach dem Respekt (in sich selbst oder anderswo).

Vielleicht weint jetzt der eine oder andere, weil ihm zurzeit the positivity im Hals stecken bleibt.

Da ich seit über dreiundzwanzig Jahren von schweren körperlichen Symptomen bedroht werde,

während man lustigfroh sagte, diese Symptome seien psychisch, wegen meinem Negativ-Sein,

Nicht-Verheiratet-Sein, Zuwenig-Kinder-machen usw, wogegen man heute weiss, dass ich über

dreiundzwanzig Jahre mit einer realen neuroloimmunologischen Multisystemerkrankung mehr

oder weniger in Qurantäne ausdauerte …

nehme ich mir heraus, Pessimist zu bleiben.

Wer lebt, der ist nicht positiv oder negativ. Wer lebt, der weint entweder oder

hat Visionen. So stehts im Kinderbuch, nicht im ZGB.

Ich glaube, die Visionen, das ist das, was in der Jugend die Freundschaft war.

Das Rammelig sein, die Nähe zum Menschen (anderem jugendlichen Kind), zur Toleranz.

Herrgott, wieviel haben die Jungen den Erwachsenen schon immer voraus! Trotzdem, wenn ich

jetzt, heute am Weekend, daran denke, dass junge Menschen wegen Pandemic-Disease nicht in die

Disco küssen und rammeligsein dürfen sollten, dann tut mir das schon bisschen weh. Ich wüsste

nicht was ich an ihrer Stelle tun würde, echt. Könnte sein, ich würde saufen gehen und nach einem

Liebespartner Ausschau halten. Und dann heimgehen mit Kater, Grippe kriegen, eventuell Corona,

würde genesen und weitermachen, wie bisher: als Pessimist!

 

Bin aber gerade dabei, darüber nachzudenken, was dieses Pandemic-Virus mit meiner Umgebung

machen könnte. Mit diesen Positivity-Erdrückten und Optimismus-Erwürgten. Sagen wir, die

Katastrophe trifft ein: Quarantäne bleibt ein Dauerzustand, Wirtschaft sackt nach und nach in

grossen Zügen ab. etc. Angenommen, jetzt nur mal angenommen, nichts bleibt wie bisher—— und

eine Weile liegt alles in Trümmern—(hab noch nie einen Fiction-Film gesehen, langweilt mich)

gibt es dann mal wieder eine Gesellschaft, die erwachsene Menschen mit Visionen hervorbringt?

Eine Vision hat nichts mit Positivität oder Negativität zu tun …. sie kann etwas sehr Persönliches

sein. Eine Vision ist dieser seltsame (Un)Glaube, der nicht von einer Regierung verkauft werden

kann an eine Gesellschaft.

Eine Vision ist das, was Kinder fühlen und Junge sich umarmen lässt.

Das Andere (nach Byung-Chul-Han) kann eine Vision sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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