aus meiner „Quarantäne“

Das ist vielleicht verrückt, ich meine, hineinzutauchen in diesen Lichterraum mit meinem entzündeten Kopf. Aber ich muss die Sonne noch einmal spüren, sie trinken mit meiner Haut, wie mit einer grossflächigen Zunge. Man kann eine Cola trinken, Küsse und die Sonne! Aber das wirklich Schönste von all dem ist es, zu küssen unter der Sonne. Das habe ich getan und bin dabei dieses gruftige Vogrl, das sich auch Thomas Bernhard nicht selbst von der Schulter wischen konnte, los geworden. Nur beim Küssen unter der Sonne! Sobald es regnete und die Verbindung durchs Küssen wieder gelöst war, hockte mir das schwarze Vogrl bereits wieder auf der Schulter! Ich habe soviel Verbindung benötigt, soviel Liebe, auf einmal, wahrscheinlich, weil dieses Vogrl immer grösser wurde. Je schlimmer und einschränkender das Playing-Dead-Syndrom umso grösser mein Hunger nach der Liebe. Als ich ein Krüppel war, rief sie mich endlich zu sich, ich hatte bereits viele Jahre als Gespenst im soliden Ghost City gelebt. Aber nun durchkreuzte ich ohne Tasche, in offenen Schuhen mit billigen Kristallen besetzt und wirbelndem Haar das Land. Genaugenommen schleppte ich mich auf den Zug Biel-Solothurn, aber mir kam es vor, als wäre ich Emma Bovary, die ausbüchst und durchs hohe Gras zum Treffpunkt mit ihrem verhinderten Entführer läuft, wie in einen magischen Sonnenkranz; dem Snob Rodolphe.

(6.5.21)

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