Aus „der Dritte Roman“

Für mich sind Kafkas Alpträume, die er im Prozess ausformulierte, mehrfach wahr geworden. Halb liegend, halb sitzend rutschte ich immer tiefer in den Korbstuhl. Ich wollte auch etwas sagen, während die anderen, Therapeuten, Angehörige, über mich, die Entmündigte, hinweg redeten. Ich war immer ein guter Redner in meiner Privatsache gewesen, auch als Entmündigte: „Ich glaube, dass die Liebe die einzige Kraft ist, die mich jetzt, in diesem Zustand, physisch noch stabilisieren kann. Nur die Liebe, und damit meine ich, die sinnliche Liebe und die Hingabe kann meinen erkrankten eingefrorenen zellulären Kern noch erreichen. Nicht Ihre Medikamente, und nicht Ihre Therapie! Aber die Liebe ist eine erschütternde Erfahrung, eine Naturgewalt. Und um so etwas zu erleben, bin ich offenbar physisch zu schwach. Normalerweise ist es so, dass ein kranker Mensch gesünder wird, wenn er das tun kann, von dem er weiss, dass es ihm gut tut. Bei meiner Krankheit aber kann ich das, was mich aus diesem Loch befreien und am Leben erhalten würde, nicht tun. Sie verstehen doch, dass unter diesen Umständen mein Sterbewunsch folgerichtig und logisch ist? Nur die Liebe zu einem Mann und die Liebe von einem Mann kann mich noch heilen!“ Ich sagte kein einziges Wort. Erstens, weil ich schon viel zu viel in solchen Situationen geredet habe, ohne, dass man mir zugehört oder etwas anderes als demotiviert auf die Uhr geblickt hätte. Ich war mir irgendwie nun zu schade dafür, so was Schönes und Intimes an Menschen zu verraten, die mich wieder internieren wollten. Abgesehen davon rutschte ich endgültig unter dem Korbstuhl hindurch, klatschte ohnmächtig auf den Boden, und flehte militärisch: „Meine Cola, bitte!“

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