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Heute mit dem Horst-Wessel-Lied in der Repetierschleife im Ohr aufgewacht! Das machen die Albträume zwischen Dämmern und Wachen!

In „Una goirnata particolare“ von Ettore Scola wird dieser besondere Tag von Antonietta (Sophia Loren) und Gabriele (Marcello Mastroianni) eingeblendet. Es ist der 8. Mai, Adolf Hitler ist in Rom bei Dulce auf Staatsbesuch. Alle Leute, so auch Antoniettas Mann und die Kids sind in bester Aufmachung ausgeflogen, der Parade beizuwohnen. Der düstere Block steht so gut wie leer. Da sind nur noch die ausgelaugte, simple Hausfrau Antonietta (Sophia Loren) und der melancholische Gabriele (Marcello Mastroianni), das „suggeto suvversivo“,  die sich über Antoniettas entwischenden Papagei kennenlernen. Der Film ist ein eigentliches Kammerspiel und spielt in den Wohnungen im düsteren Block Antoniettas und Gabrieles. Die Stimmung der beiden ist aufgekratzt. Etwa in der zwanzigsten Minute fängt die Parade an. Auf dem Höhpunkt des Films (Antonietta und Gabriele stehen auf dem Dach des Hauses zwischen flatternden Leintüchern) ertönt das Horst-Wessel-Lied.

Ich habe den Film vor etwa zehn Tagen auf DVD gesehen.

Gabriele am Telefon (er wird am Abend abgeholt werden und seinen Freund in Sardinien nicht wiedersehen?):

„Oggi per me è un a giornata particolare. E come in un sogno quando vuoi gridare e non ci riesci.

Non dici niente?! Pronto! Marco! Dice niente? Ma parla qualcoasa! Parla del tempo, di sport, di un libro!…..

Ridi, Marco, ti pregho!!“

HEUTE IST EIN BESONDERER TAG FÜR MICH. ES IST WIE IN EINEM TRAUM. DU WILLST SCHREIEN, ABER BIST NICHT IN DER LAGE.

… DU SAGST NICHTS? HALLO, BIST DU NOCH DA?!

BITTE SAG WAS! IRGENDETWAS! REDE ÜBER DAS WETTER, DEN SPORT, EIN BUCH….

… LACHE, MARCO, ICH BITTE DICH!

 

Die Melodie ist voller bitterer Sehnsucht, schön, eigentlich.

Aber durch ihre Verlinkung wird sie unerträglich und grässlich.

(habe dann gesehen, dass das Horst-Wessel-Lied eine grosse Anhängerschaft hat. So wird es auf Youtube über ehemalige Nazi-Propaganda-Videos gestülpt,

die von unzähligen Followern gelikt und mit beiläufigen Kommentaren wie: „Great time of strength and bravery!“, Witzen und Verherrlichung versetzt wird.

Offenbar ist das Lied in Deutschland gesetzlich aber immer noch verboten.)

 

Ich musste sowieso kotzen. Und werde es auch morgens wieder müssen.

Ich denke oft daran, dass ich im Naziregime möglicherweise längst kurz und bündig erlöst worden wäre, weil sie aktiv über „wertes“ oder „unwertes“ Leben

entschieden. Dies ist eine unfassbare Zumutung und Übertretung, die nur aus einer kollektiven Schizophrenie erwachsen kann.

Aber gleichzeitig hätte ich dazu noch das eine und andere zu sagen. Besser ich tue es nicht, weil ich nachher es bedauern würde.

Vielleicht in einem andern Kontext.

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