2020_Amourbox_Elegie in brachial


Eines Nachts stand ich auf und brachte den Fluss zum Fliessen.
Ohne Wasser. Ich setzte mich in die Küche und rieb
die Lebenssteine aneinander, beschwor den einen unerklärlichen
Funken. Ich hüpfte ins Schlafzimmer und wollte die Briefe
niederbrennen, doch erbrach ich sie zuvor auf ihre Logik.
Wie Venen erbrach ich sie. Doch da war kein Blut. Nichts brannte.
Also flüchtete ich mich tiefer hinab zum Fluss und folgte ihm
bis zum Meer, wo mir der Geliebte der Andern zuwinkte:
Ich hab dich allein geliebt! Ich lief übers Meer, das unter mir
nicht nachgab. Das Meer kreiste krächzend leer, mit Bauch
nach Oben. Es tat etwas weh. Also versuchte ich etwas
Schönes zu denken: Ich dachte, wie ich eines Nachts aufstand.
Mit Wasser den Fluss zum Fliessen brachte. Zucker gab in
meinen schäumenden Tee und in den Briefen blätterte–
sie brachten mich vor Komik zum Lachen—
mit der du und ich uns zur Weissglut brachten.

(Gabriela Mistral: der Weissdorn brach auf–vorbei weht ein Lied!)

Ich flanierte zum Hafen, wo ich dem Geliebten der Andern
zuwinkte: ich hab mich mit dir zusammen geliebt! Haha.
Der Geliebte der Andern packte mich und warf mich
ins Meer, das unter mir nachgab. Es tat etwas weh.
Als Königin der Tiefe des Meeres versuche ich nochmal
etwas Schönes zu denken.

(So 2020/23)

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